Orthopädietechnik-Mechaniker/in

Berufsbild & Ausbildung

Orthopädiemechaniker und Bandagist / Orthopädiemechanikerin und Bandagistin (aus Gründen der Lesbarkeit wird im Folgenden auf die weibliche Form verzichtet). Die Handwerksberufe Orthopädiemechaniker und Bandagist sind am 9. Dezember 1991 zu einem Handwerksberuf zusammengefasst worden.

Seit dem 1. April 1998 trägt das Gewerbe die Bezeichnung “Orthopädietechniker”.
Der neugeordnete Ausbildungsberuf Orthopädietechnik-Mechaniker/in ist am 1. August 2013 in Kraft getreten.

Aufgaben

Orthopädietechniker fertigen für körperlich behinderte Menschen medizinisch-technische Konstruktionen wie künstliche Gliedmaßen (Prothesen), Hilfsmittel für die Extremitäten und den Rumpf (Orthesen), Bandagen und individuelle Rehabilitationsmittel.

Mit Hilfe moderner Fertigungsverfahren und unter Verwendung neuester technologischer Entwicklungen sowie der Berücksichtigung aller Erkenntnisse der Biomechanik, wird jedes Teil individuell den Bedürfnissen des einzelnen Patienten und Kunden gestaltet und angepasst.

Diese Hilfsmittel werden aus den verschiedensten Materialien hergestellt. Die Herstellung dieser orthopädischen Hilfsmittel erfolgt in selbständigen Werkstätten und Sanitätshäusern oder Werkstätten die Krankenhäusern angegliedert sind.

Das Messen und Abformen von Körperteilen erfolgt häufig bereits im Krankenhaus, z. B. nach einer Amputation. Bei der Versorgung der Patienten ist es für den Orthopädietechniker eine gewohnte Praxis, vertraulich mit dem behandelten Arzt zu arbeiten.

Während der Arzt die Patienten eingehend untersucht und die Diagnose stellt, leisten sie die Versorgung nach Indikation und Verordnung. Auch die Nachsorge und langfristige Betreuung und die Versorgung von Kunden mit handelsüblichen Hilfsmitteln wie Rollstühlen, Rollatoren, Fertigbandagen und Krankenpflegeartikeln wird von ihnen sichergestellt.

Immer wichtiger wird damit auch die Beratung und Anleitung von kranken, behinderten und alten Menschen. Orthopädietechniker benötigen deshalb neben handwerklich-technischen Fertigkeiten und Kenntnissen über Anatomie, Pathologie, angewandte Biomechanik und Werkstoffkunde, die Fähigkeit, einfühlsam und behutsam mit kranken und behinderten Menschen und ihren Problemen umzugehen. Psychologisches Einfühlungsvermögen z.B. im Umgang mit brustamputierten Frauen, Stomapatienten (künstlicher Darmausgang) und querschnittsgelähmten Patienten stellt an Orthopädietechniker besonders hohe Anforderungen.

Tätigkeiten

Orthopädietechniker haben die Aufgabe, krankhafte Veränderungen, Fehlbildungen und durch chirurgische Eingriffe bedingte Folgen (z. B. Amputationen) am menschlichen Bewegungsapparat mit mechanischen Mitteln von außen zu versorgen. Diese Hilfsmittel werden in Prothesen, Orthesen und Rehabilitationsmittel unterteilt. Die Herstellung der Hilfsmittel erfolgt in Orthopädiewerkstätten bzw. Sanitätshäusern.

Das Messen und Abformen von Körperteilen erfolgt häufig bereits im Krankenhaus, z. B. nach einer Amputation des Beines oder bei einer rasch benötigten Versorgung nach einem Sportunfall. Zu den wichtigsten Tätigkeiten zählen manuelle, handwerkliche Tätigkeiten, maschinelle Bearbeitung von vielen verschiedenen Materialien, Messen und Abformen von Körperteilen des zu versorgenden Patienten, Beratung und Dienstleistung für Behinderte, kranke und alte Menschen, Konstruieren und Entwickeln von individuellen Problemlösungen bei der Versorgung mit orthopädischen Hilfsmitteln, Installation, Montage und Wartung von industriell gefertigten Bauteilen wie künstliche Gelenke, Rollstühle, Hilfsmittel für Bad und Toilette und andere bewegliche Teile an Hilfsmitteln.

Die berufliche Aufgabe innerhalb des Rehabilitationsteams gilt der Konstruktion und Anfertigung orthopädietechnischer Hilfsmittel. Daraus lassen sich zwei wesentliche Charakteristiken beruflicher Arbeit ableiten: Zum einen die Teamarbeit und zum anderen die individuelle, gestaltende Einzelarbeit. Nur auf der Zusammenarbeit und der Information von Arzt, Krankengymnast oder Beschäftigungstherapeut (das sog. Rehabilitationsteam), lässt sich die Aufgabenstellung für die Orthopädie-Technik logisch und in Zusammenhänge gestellt entwickeln.

Aus dieser Teamarbeit heraus resultiert die selbständige, individuelle und berufsspezifische Einzelarbeit des Orthopädietechnikers am Patienten. Die Konstruktion, Herstellung, Anpassung und Lieferung von Hilfsmitteln werden von ihm/ihr allein geleistet. Danach wird der Patient wieder gemeinsam vom Rehabilitationsteam betreut, mit dem Ziel eine optimale Wiederherstellung der vorherigen physischen und psychischen Leistungsfähigkeit zu erreichen.

In der Bedeutung der Rehabilitationsmaßnahmen steht für viele Patienten das orthopädische Hilfsmittel im Vordergrund. Die Prothese, Orthese, Bandage oder der Rollstuhl bestimmen oft mit ihrer Qualität bzw. Ausführung lange Lebensabschnitte der Patienten.

Im Dienste behinderter und kranker Menschen zu stehen, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die hohe Ansprüche an fachliche Kenntnisse, Fertigkeiten und Kreativität stellt. Aufbauend auf den wissenschaftlichen Grundlagen von Medizin und Technik und den vielfältigen Möglichkeiten des Handwerks, muss der Orthopädietechniker fehlende oder gestörte Körperfunktionen seiner Patienten ersetzen bzw. unterstützen. Der Vielfalt der Aufgaben steht die Fülle der Technologien gegenüber.

Bei der Herstellung orthopädischer Hilfsmittel gibt es keinen typischen Werkstoff. Angefangen beim Umgang mit Gips (viele Versorgungen beginnen mit der Abnahme von Gipsabdrücken) muss der Orthopädietechniker viele verschiedene Materialien verarbeiten können. Weiterhin sind Kenntnisse in modernen Techniken z.B. bei myoelektrischen Armprothesen (durch Muskelreizung gesteuerte Prothesen), hydraulisch gesteuerte Beinprothesen und der computergesteuerten Fertigung von individuellen Prothesen- und Orthesenbauteilen (CAD-CAM) gefragt. Weitere wichtige Bereiche sind Kompressionsstrümpfe gegen Venenleiden, Brustprothesen nach Amputationen und die Stoma- und Inkontinenzversorgung. Als Rehabilitationsmittel sind neben der Versorgung mit Rollstühlen die individuell hergestellten Sitzschalen für Schwerstbehinderte, sowie der Umgang mit Krankenbetten, Krankenliftern, Sauerstoffgeräten und Hilfen im Bad und bei der Toilette zu nennen.

Die Arbeit lässt sich in drei Teilbereiche gliedern:

  1. Die Versorgung mit Prothesen und Orthesen
  2. Die Versorgung mit Bandagen, Einlagen, Hilfsmitteln zur Kompressionstherapie und Krankenpflegeartikeln
  3. Die Versorgung mit Rollstühlen und Hilfsmitteln zur Rehabilitation

Diese Bereiche können als Spezialisierungen, aus einer Grundausbildung heraus, angesehen werden. Der Orthopädietechniker kann entsprechend seinen/ihren Fähigkeiten, persönlichen Interessen und Neigungen in allen Bereichen oder in Teilbereichen eingesetzt werden.

Aus- und Weiterbildung

Für den anerkannten Ausbildungsberuf ist gesetzlich keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Die konkrete betriebliche Einstellungspraxis und die Einstellungsbedingungen sind unterschiedlich. Hilfreich bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz kann das Abitur oder ein Abschluss einer Real- oder Handelsschule sein. Grundsätzlich sollte der Bewerber über eine gute und schnelle Auffassungsgabe und handwerkliches Geschick verfügen.

Er muss sich der Verantwortung bewusst sein, die dieser Beruf mit sich bringt. Da der Orthopädietechniker sowohl mit dem Handwerk und modernster Technik konfrontiert wird als auch mit Menschen in Berührung kommt, die auf seine Hilfe und sein Verständnis angewiesen sind, ist technisches Interesse, körperliche Gewandtheit und psychologisches Einfühlungsvermögen gleichermaßen wichtig.

Ausbildung

Die Orthopädietechnik ist laut Handwerksordnung vom 1. April 1998 ein Handwerk im Gesundheitswesen. Der Ausbildungsberuf zu Orthopädietechnik-Mechaniker bzw. zur Orthopädietechnik-Mechanikerin ist staatlich anerkannt.

Die Gesellenausbildung wurde zum Ausbildungsjahr 2013/14 neugeordnet. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre und schließt mit der Gesellenprüfung vor dem zuständigen Prüfungsausschuss der Handwerkskammer ab.

Die Ausbildung erfolgt im dualen System der Berufsausbildung. Das bedeutet, dass die Auszubildenden die notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowohl im Ausbildungsbetrieb als auch in der Berufsschule erlernen. Die Verantwortung für die Ausbildung hat der ausbildende Betrieb. Die Ausbildungsverordnung gibt die Ausbildungsinhalte zusammengefasst und in übersichtlicher Form wieder. Die Ausbildungsinhalte jeder Berufsbildposition werden im Ausbildungsrahmenplan konkretisiert.

Verordnung Orthopädietechnik-Mechaniker/in

Der Ausbildungsrahmenplan ist die Grundlage für die betriebliche Ausbildung, in der die zu vermittelnden Fertigkeiten und Kenntnisse sachlich und zeitlich gegliedert sind. Die Ausbildung in der Berufsschule ist durch den Rahmenlehrplan geregelt. Der Rahmenlehrplan ist ebenfalls nach Ausbildungsjahren gegliedert und umfasst elf Lernfelder, die mit dem Ausbildungsrahmenplan abgestimmt sind.

Fachliche Weiterbildung

Wer die Gesellenprüfung mit Erfolg abgelegt hat, kann sich in vielerlei Hinsicht beruflich fortbilden. Durch den Besuch von Fortbildungslehrgängen berufseigener Bildungseinrichtungen bzw. Fachschulen oder auch Abendkursen der Handwerkskammern ergeben sich viele Möglichkeiten. Da das Angebot regional verschieden ist und auch den wechselnden Bedürfnissen angepasst werden muss, empfiehlt es sich bei konkreten Terminvorstellungen bei dem jeweiligen Arbeitsamt (Datenbank KURS), der zuständigen Innung oder Handwerkskammer nachzufragen.

Orthopädietechniker-Meister

Bei nachgewiesener, erfolgreich abgeschlossener Ausbildung kann die Prüfung zum Handwerksmeister angestrebt werden. Nur damit kann eine eigene, selbständige Tätigkeit und die Lehrausbildungsbefähigung erreicht werden. Orthopädietechniker können sich in speziellen Vorbereitungskursen (Abendkurse, Wochenendkurse und Ganztagskurse) das notwendige Wissen für die Meisterprüfung aneignen. Derartige Meisterkurse sind in verschiedenen Handwerkskammerbezirken eingerichtet. Die Bundesfachschule für Orthopädie-Technik (BUFA) in Dortmund bietet einen Jahreslehrgang in Theorie und Praxis an, der mit der Meisterprüfung und dem Euro-Diplom, welches den europäischen Anerkennungsrichtlinien entspricht, abschließt. Darüber hinaus bietet die Bundesfachschule für Orthopädie-Technik kontinuierlich Fortbildungsseminare in allen Fachbereichen an.

Studiengänge in der Orthopädie-Technik

Die Fachhochschule Münster bietet am Campus in Steinfurt die beiden Studiengänge B.Eng. Technische Orthopädie in Vollzeit und B.Eng. Technische Orthopäde dual an.

Quelle: http://OT-Forum.de